Der BH-Blog

Buchstabenphobie

Einer der Gründe dafür, dass so viele Frauen unpassende BHs tragen, liegt im schlechten Größenangebot in deutschen BH-Läden. Betreiber eben dieser Läden entgegnen auf diese Vorwürfe aber zu recht häufig (sinngemäß) Folgendes:

“Immer wenn wir unser Angebot ausweiten und zum Beispiel F-Cups oder 65er Unterbrustbänder anbieten, kaufen die Kundinnen diese Größen nicht. Deshalb lohnt sich das für uns nicht”

Wenn also angeblich viele Frauen eine größere Auswahl an BH-Größen bräuchten, wieso wird dann diese nicht angenommen? Die Antwort lautet:

Buchstaben-phobie

Buchstabenphobie bezeichnet die Angst vieler Frauen, BH-Größen mit hohen Buchstaben anzuprobieren. In den Köpfen der meisten  gibt es nämlich eine ganz genaue Vorstellung davon, wie BH-Größen aussehen. Das sieht dann ungefähr so aus:

  • A=klein
  • B=mittelklein
  • C=mittelgroß
  • D=groß
  • E=sehr groß

Und das ist falsch. Und zwar aus zwei Gründen. Der erste Grund ist, dass viele Frauen nicht wissen, wie was Kreuzgrößen sind. (Außerdem führt falsches Anziehen eines BHs häufig dazu, dass zu kleine Körbchen gewählt werden. Erfahre hier mehr dazu).

Kreuzgrößen

Dazu kannst du einfach beim nächsten Mal im Wäscheladen zwei BHs mit gleichem Buchstaben, aber möglichst unterschiedlichen Bandlängen nebeneinander halten, zum Beispiel 70B und 90B. Du wirst feststellen, dass es das eine B-Körbchen nicht gibt. Die Körbchen sind sehr unterschiedlich groß, obwohl beide “B” heißen. Falls die Couch gerade zu gemütlich ist um kurz in den Wäscheladen zu rennen, kannst du auch die Seite “the bra band project” besuchen und dort die Brust-Bilder nach den Buchstaben sortieren, das hat den selben Effekt.

Je enger das Unterbrustband ist, desto höher wird also auch die Körbchenbezeichnung, wenn die Brustgröße gleich bleibt. Wenn eine Frau die immer 75B getragen hat (75B ist die am häufigsten irrtümlich getragene Größe. Erfahre hier mehr.) also feststellt: “Das Band sitzt deutlich zu locker, aber die Körbchen passen!”, dann landet sie möglicherweise mit ihren neuen BHs bei 65D. Ihr Körper hat sich aber nicht verändert!

Durch die schon oben erwähnte schlechte Größenauswahl tragen die meisten Frauen nicht nur zu weite Unterbrustbänder, sondern gleichzeitig zu kleine Körbchen. Das fällt nicht sofort auf, weil durch das weite Band die Körbchen nur locker auf der Brust aufliegen. Deswegen quillt auch kein Brustgewebe über. Die Trägerinnen eines solchen BHs kommen in der Regel von alleine deshalb gar nicht darauf, das etwas nicht stimmt.

So ein BH hat keinerlei Stützwirkung. Wer einen solchen BH trägt, hat trotzdem nicht unbedingt Probleme damit. Wer noch nie einen richtig passenden BH anhatte (Wie sollte man, bei unserem Größenangebot?) hinterfragt seine Größe also wahrscheinlich nicht und kauft einfach immer weiter die alte unpassende Größe.

Wenn jetzt ein Wäschegeschäft plötzlich 65D anbietet, was der Frau aus unserem Beispiel wunderbar passen würde, kauft diese entweder aus Gewohnheit wieder 75B und schaut gar nicht nach anderen Größen oder denkt: “65D– D ist groß und meine Brüste sind eher mittel. Diese Größe ist nichts für mich”.

Nun zum zweiten Grund, warum die Zuordung A=klein, B=mittelklein usw. falsch ist.

Zahlenphobie

Wer im oberen Abschnitt gut aufgepasst hat, hat gemerkt dass ich erwähnt habe, dass viele Frauen zu weite Unterbrustbänder tragen. Das hat damit zu tun, dass die BH-Größentabellen sehr alt sind. Sie waren für die damals noch undehnbare Stoffe ausgelegt und wurden nie angepasst. Sie empfehlen deshalb meistens zu weite Unterbrustbänder. Eine Frau mit 75cm Unterbrustumfang sollte in den meisten Fällen eher ein 70er oder sogar 65er Band tragen. (Miss mal ein paar gedehnte 75er-BHs aus. Die meisten werden sich deutlich weiter dehnen als für einen 75er Umfang sinnvoll wäre).

Die Vorstellung eines solch “engen” Unterbrustbandes kann sehr abschreckend wirken. Tatsächlich wirken viele Bänder aber zu eng, weil das Körbchen zu klein ist. Als Test kannst du das Unterbrustband einmal mit den Körbchen auf dem Rücken zuhaken. Es sollte so trozdem stramm sitzen.

Die Notwendigkeit bei den Untebrustbändern abzurunden hat zwei Auswirkungen: erstens wird es für zierliche Frauen fast unmöglich, fest sitzende BHs zu kaufen. Zweitens führen engere Unterbrustbänder zu höheren Buchstaben. Und auf einem 65er Unterbrustband ist ein F nicht groß, sondern eher mittel. Und mittelgroße Brüste haben naturgemäß recht viele Frauen. 65F-BHs sucht man aber vergeblich.

In den Läden würden also vor allem BHs mit kürzeren Bändern und gleichzeitig höheren Buchstaben benötigt- wenn genug Nachfrage bestünde. Dafür müssten mehr Frauen sich trauen, “ungewöhnliche” Größen überhaupt anzuprobieren.

Brustgrößen sind in unserer Kultur ein derart emotional aufgeladenes Thema, das teilweise viel Selbstwert an einer BH-Größe hängt.

Der 65G-BH

Stell dir bitte einmal vor, du hast bisher immer 75B getragen, empfindest deine Figur als voll normal. Du stehst in der Umkleide einen plötzlich einen BH an, der himmlisch sitzt, viel besser als alles was du kennst. Dann ziehst du ihn aus, guckst auf das Schild mit der Größe, und da steht “65G”. Wie erklärst du das später deinen Freundinnen? Wenn du sagst “Ich trage 65G”, werden die meisten Leute hören: “Ich trage einen BH für Vollschlanke mit Mega-Möpsen, ich bin sooo besonders”.

Und das ist der kritische Augenblick, denn ich bitte dich, genau das auszuhalten. Denn du hast keine verzerrte Selbstwahrnehmung, sondern deine Freundinnen/Freunde/Familie haben eine verzerrte BH-Größen-Wahrnehmung. Aber du hast einen perfekt passenden BH, weil du besser informiert bist. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, sich als Besserwisser unbeliebt zu machen, aber mit etwas Feingefühl besteht auch die Möglichkeit, auch deinen Freundinnen zu dem göttlichen Gefühl eines perfekt sitzenden BHs zu verhelfen.

In typischen deutschen Geschäften bekommt man etwa 16 verschiedene BH-Größen. Das ist viel zu wenig um der Vielzahl an unterschiedlichen Körperformen gerecht zu werden. In England oder Polen zum Beispiel gibt es etwa 250 verschiedene Größen zu kaufen. Siehe dazu auch: Was ist die Größte/kleinste BH-Größe? (Liebe Hersteller, polnische und englische Firmen sind greade wegen dieser Auswahl sehr erfolgreich und gehen nicht pleite).

Wenn in deutschen Geschäften BHs hingen, die den Körpern der Frauen entsprächen, wären D und E nicht länger die Enden des Alphabets. Wie in der Grafik oben könnte sich die Wahrnehmung der Größen so verschieben, dass sie realistisch würde.

Was ungemein helfen würde: hat jemand hier Lust Wäschegeschäfte mit vernünftigem Größenangebot zu eröffnen?

Danke fürs Lesen dieses langen Artikels! Ich steigere mich manchmal sehr in die Themen hinein und hoffe es wurde für dich nicht langweilig oder verwirrend. Lass mir immer gerne Kommentare da!

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

Antworten

*

© 2017 braradise.de

Thema von Anders Norén