Der BH-Blog

Der BH-Größen-Teufelskreis

Sehr viele Frauen tragen unpassende BHs, das weißt du inzwischen. Aber woran liegt das eigentlich? Wieso ist es eigentlich so mühselig seine Größe und Passform zu bestimmen und wie kam es dazu?

unsere Größentabellen sind veraltet.

BHs gibt es seit etwas über hundert Jahren. Genau so alt sind auch die Tabellen. Unsere heutigen BHs haben allerdings mit denen von damals nicht mehr viel gemeinsam. Sie sind vor allem wesentlich dehnbarer. Elastische Stoffe sind nämlich historisch betrachtet eher eine neue Erfindung.

Ein BH ist aber dazu gedacht, die Brust von unten anzuheben und zu stützen. Irrtümlich wird oft angenommen, die Träger (irreführendes deutsches Wort!) seien für den Halt der Brust zusändig. Dabei stützt bei einem gut angepassten BH das Unterbrustband 90% des Gewichtes von unten. Dazu muss das Unterbrustband fest genug sitzen. Wenn eine Frau mit 80 Zentimetern Unterbrustumfang einen 80er-BH kauft, der ihr laut Tabelle passen sollte, sich aber auf 95cm dehnt, kann dieser seine Aufgabe nicht erfüllen.

Du kannst das leicht überprüfen. Nimm mal ein Maßband mit ins Geschäft und miss die Unterbrustbänder einiger BHs im leicht gedehnten Zustand. Insbesondere bei BHs schlechter Qualität wirst du sehen, dass die Größenbezeichnungen teilweise vollkommen nutzlos sind.

Also sollen wir unsere BHs einfach enger wählen?

Das wäre kein so schlechter Anfang, allerdings stoßen wir hier auf den nächsten Teil des Problems. Wer seinen BH eine Bandlänge kürzer wählt als üblich, muss einen (oder auch mehrere) Buchstaben des Alphabetes nach oben gehen, damit das Körbchen gleich groß bleibt. Das liegt daran, dass die Buchstaben in den BH-Größe nicht die absoluten Umfänge bezeichnen, sondern immer die Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang. 75C, 70D und 65E sind theoretisch im Körbchen gleich groß. Mehr Infos dazu gibt es im Beitrag „Was sind Kreuzgrößen?“ .

Aber was machst du, wenn du vorher sagen wir mal, 70D getragen hast? Einen BH in 65E oder F zu bekommen, ist in Deutschland relativ aussichtslos.

Stimmt, und das nicht nur für diese Größe. Es gibt über 250 verschiedene BH-Größen, in den meisten deutschen Geschäften angeboten werden aber nur etwa 16. Und hier liegt die Wurzel des BH-Übels. 16 Größen reichen nämlich  nicht aus um der Vielfalt an menschlichen Körpern gerecht zu werden. Dies führt unweigerlich dazu, dass ein Großteil der deutschen Frauen in deutschen Geschäften überhaupt keine BHs finden kann, die ihnen passen.

Warum ändern denn die Geschäfte nicht ihr Angebot?

Nun, andersherum. Warum sollten sie? 250 verschiedene Größen herzustellen, zu verkaufen und auch noch gut ausgebildetes Personal zu beschäftigen, welches sich mit all diesen Größen auskennt, ist unökonomisch und teuer. Die großen Firmen haben also ein gewisses Interesse daran, dass die Frauen weitehin in ihren schlecht sitzenden BHs durch die Welt wandeln.

Dazu kommt, dass eine Frau in einem furchtbar unbequemen BH eine bessere Kundin ist, da sie wahrscheinlich häufiger nach neuen BHs sucht, die sie nicht aufspießen, als ihre wunschlos glückliche Geschlechtsgenossin. (Nein, die Wäschefirmen sind nicht böse und willentlich niederträchtig, dazu kommen wir gleich).

Auf jeden Fall kommen durch das schlechte Größenangebot in Kombination mit der schlechten Beratung viele Frauen irgendwann zu dem Schluss, dass sie komische Körper hätten, BHs halt nicht bequem wären und geben ihre Suche nach erträglicheren Alternativen auf. Da sie den Fehler bei sich suchen, gehen sie weiter in die alten Geschäfte und kaufen furchtbar sitzende 75B-BHs. (Diese Größe passt kaum einer durchschnittlich gebauten Frau wirklich, aber alle kaufen sie, weil sie als Durchschnitt gilt, weil alle sie kaufen, weil sie als Durchschnitt… Du verstehst schon.)

Und eben weil keine der Frauen in den Geschäften nach anderen Größen fragt, bieten diese keine an. Laut einer Verkäuferin in einem Wäschegeschäft der Kaufhauskette Braun, haben diese zum Beispiel eine ganze Zeit lang probeweise 65er BHs angeboten. Sie wurden aber nicht gekauft.

Das klingt wie der Gegenbeweis zu allem was ich vorher geschrieben habe.

Aber schauen wir doch mal genauer hin.

Laut dem Busenfreundinnen-Forum, welches sich dem Zweck verschrieben hat, Frauen bei der Suche nach perfekten BHs zu unterstützen, liegt die häufigste Größe nach der Beratung dort bei 70G. Im Online-Projekt „the bra band project“, in welchem es um das Sammeln von Bildern von Frauen in richtig angepassten BHs geht, ist die häufigste Größe 65E.

Beide Werte sind repräsentativer als die Studien die zur BH-Größe in Deutschland geführt wurden. Bei keiner dieser Studien wurde überprüft, ob den befragten Frauen ihre BHs überhaupt passen, was bei 80% Frauen in umpassenden BHs (je nach Quelle auch noch mehr) in einer völligen Unbrauchbarkeit der Werte resultiert.

In England oder Polen bieten die Onlineshops regulär Größen in Bereichen wie 60-135 A-N an. Das würde sich nicht lohnen wenn es keine Abnehmer gäbe. Und der deutschen allgemeinen (fehlerhaften) Vorstellung von BH-Größen nach haben die Britinnen und Polinnen sicher nicht im Schnitt 7 Körbchengrößen größere Brüste als die deutschen Frauen.

Dies lässt nur den Schluss zu, dass deutsche Frauen die „ungewöhnlichen BH-Größen“ von vorneherein nicht anprobieren,

weil die Größenbezeichnung sie abschreckt.

Kein Wunder! In einem Land, in dem die offensichtlich vollbusigsten Frauen BHs in „D“ tragen und niemandem erklärt wird was Kreuzgrößen sind, ist es eine fast zwangsläufige Folge dass „A“ mit klein und „D“ mit riesig assoziiert wird. Das ist aber falsch, „A“ kann je nach länge des Unterbrustbandes durchaus größer sein als „D“. Siehe dazu auch den Beitrag „10 Lügen über BHs“ .

Neben der bloßen BH-Größe muss auch die Passform einess BHs zur Brustform der Trägerin passen, damit er optimal funktioniert. Ohne gute Beratung ist dieses Kriterium für eine Frau, die sich  icht intensiv mit dem Thema beschäftigt hat aber kaum zu erfüllen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die meisten deutschen Geschäfte eine beschissene Größenauswahl haben, weil niemand nach anderen Größen fragt, weil niemand merkt dass er eine andere Größe bräuchte, weil man nirgendwo andere Größen anprobieren kann, weil die Geschäfte eine beschissene Größenauswahl haben.

Wie kann man diesen Kreislauf des BH-Jammers durchbrechen?

Der Schlüssel ist vor Allem die Aufklärung über BHs und BH-Größen. Diesem Ziel hat sich Braradise mit diesem BH-Blog verschrieben.

Man bekommt nämlich durchaus BHs in vielen verschiedenen Größen und Passformen, und auch gute Beratungen außerhalb der Geschäfte, wenn man weiß wo man suchen muss. Nur wäre es natürlich viel besser, wenn eine Frau jeden Körperbaus auch in „normalen“ Wäschegeschäften Wäsche kaufen könnte.

Wenn alle Frauen, die mit ihren BHs unzufrieden sind, in den Geschäften nach besserer Auswahl fragen würden, wären die BH-Probleme einer ganzen Nation in kürzester Zeit gelöst.

Ein paar Geschäfte mit guter Größenauswahl gibt es bereits jetzt. Hier geht es zur „goldenen Liste“ . Jetzt bist du dran. Meinungen? Fragen? Kommentare? Ab in die Kommentare damit 🙂

 

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