Der BH-Blog

“Ich finde meine Brüste hässlich.”

“Hilfe, meine Brüste sind zu (hier bitte Problem eintragen)! Was soll ich tun? Ich schäme mich voll!”

Fast alle Frauen machen diese Phase durch. Es gibt einen Punkt in der Entwicklung an dem mit den eigenen Brüsten einfach gar nichts zu stimmen scheint.

Wenn dann noch abwertende Kommentare der Mitschülerinnen oder noch schlimmer- des (danach hoffentlich Ex-) Freundes dazukommen, gleicht die Gefühlswelt einem seelischen Weltuntergang.

Warum trifft uns ein vermeintlicher Makel gerade an unseren Brüsten so hart? Es wirkt geradezu als nicht-perfekte Brüste geradezu existenzbedrohend, als würden sie und bis auf alle Ewigkeit ins soziale Abseits drängen und dazu verdammen, einsam zu sterben.

Es gibt eine Theorie die besagt dass wir uns in unserer Konsumverrücktheit inzwischen selbst zur Ware gemacht haben. Unser Aussehen wäre somit unser Kapital, das wir einsetzen um Gegenleistungen zu bekommen. Und irgendwie funktioniert das ja auch, wenn man sich an die hübsche Frau erinnert die an der Bar Drinks ausgegeben bekommt, die hübsche Frau des reichen Mannes oder die beliebteste (hübsche!) Mitschülerin.

Hübsch zu sein macht das Leben oft bequemer.

Wenn wir Waren wären, würde unser Aussehen unseren Wert festlegen. Zwar nicht ausschließlich, aber doch zu großen Teilen. Das hat einen einfachen Grund: das Aussehen einer Ware ist der Teil, mit dem man am besten angeben kann.

Wenn jemand das neue iPhone besitzt ist das ein Statussymbol, deswegen ist es begehrenswert. Und dabei gibt es vielleicht eine Menge Handys auf dem Markt, die technisch besser sind. Wenn wir die Warenanalogie ein bisschen weiter spinnen, läuft sie darauf hinaus dass Frauen gerne schöne Brüste hätten, weil sie von eimem Partner “erwählt” werden wollen der seinerseits unabhängig vom eigenen Geschmack eine Partnerin haben möchte, deren Aussehen als Statussymbol funktioniert.

Natürlich kannst du jetzt einwenden, was die anderen denken sei dir egal, und du wollest nur dir selbst gefallen. Diese Einstellung ist zwar auf den ersten Blick gesünder, basiert aber letztendlich auf dem selben Warenwert-System. Oder glaubst du ohne den permanenten Druck aus Medien und Umfeld wären es ausgerechnet deine Brüste, die du an dir nicht magst?

Unser gesamtes Aussehen, wir selbst sind zur Ware geworden.

Wenn wir es zulassen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt: Es gibt garantiert wichtigere Dinge in deinem Leben, über die du weniger nachdenkst.

Und warum schämst du dich? Du kannst dich schämen für Dinge die du richtig in den Sand gesetzt hast, richtig vor die Wand gefahren. Ja, steh gerade dafür, schäm dich und lerne daraus. Aber für deine Brüste? Du hast dur deine Brüste doch nicht ausgesucht.

Sind deine Brüste gesund? Entspricht dein biologisches Geschlecht deinem gefühlten? Bist du frei von ernsthaften psychischen Krankheiten, die dein Selbstbild verzerren? Dann geht es dir mit deinen Brüsten doch gut.

Investiere deine Gedanken lieber in sinnvollere Dinge. (Ich will gar nicht wissen wie viele geniale Wissenschaftlerinnen, Erfinderinnen oder Revolutionärinnen der Menschheit verloren gegangen sind, weil sie es vorgezogen haben ihre Hirnkapazität ausschließlich zum Suchen nach eingebildeten Makeln zu verschwenden.)

Deine Brüste sind biologische Wunder. Du kannst damit kleine Menschen ernähren- lass dir das mal auf der Zunge zergehen. Wie genial ist das bitte, wie wertvoll war das in Zeiten vor Babybrei?

Stell dir vor wie sich deine Brüste entwickelt haben, wie viel Energie dein Körper in sie investiert hat. Stell es dir genau vor, die gesamte Entwicklung.

Fällt es dir schon schwerer, dich zu beschweren?

Ist der Schönheitswahn unserer Gesellschaft eine Rechtfertigung dafür unsere Körper derart respektlos zu behandeln? Wir sind nicht nur uns selbst gegenüber und gegenüber der Natur respektlos.
Ich garantiere dir dass es da draußen eine Frau gibt, die zum Beispiel durch Krebs ihre Brüste verloren hat. Diese Frau würde eine Menge geben für genau deine zu kleinen/zu großen/ zu schlaffen/ zu spitzen/ mit zu sichtbaren Adern/ zu großen  Brustwarzen ausgestatteten Brüste geben.

Brustmoden sind Moden wie alle anderen auch. Sie kommen und gehen. In ein paar Jahren wird die idealisierte Brust anders aussehen als heute noch, dann freuen sich andere Frauen.

Von deiner Haltung zu deinem Körper hängt noch viel mehr ab als dein eigenes Selbstwertgefühl. Denn jedes Mal, wenn du mitmachst im Jammer-Kreis deiner Freundinnen, die kein gutes Haar an sich selbst lassen können, gießt du Öl ins Feuer der Körpernormativität. Du verstärkst den Druck der auf euch allen lastet, bis es sozial völlig undenkbar wird, in Erwägung zu ziehen auch nur eine von euch könnte okay sein wie sie ist.

Versuche stattdessen etwas anderes: Das nächste Mal, wen jemand negativ über sich selbst redet, mach ihm ein Kompliment. Und in der allgemeinen Selbsthassrunde, bring alle mal ordentlich aus dem Konzept, in dem du sagst was du an dir selbst richtig gut findest.

Möglicherweise würde es uns auch allen ganz gut tun, wenn wir eine Weile das Thema Aussehen völlig aus unseren Gesprächen verbannen würden. Den Druck einfach eine Weile wegnehmen, bis wir wieder ein Gefühl dafür bekommen was wirklich wichtig im Leben ist.

Vielleicht kann dir genau das helfen, dich von dem Müll zu befreien, den gesellschaftliche Ideale und die Meinungen irgendwelcher halbstarken Exfreunde ungefragt in deinem Hirn abgeladen haben, und du kannst anfangen zu leben. Ich wünsche es dir.

Du bist viel mehr als deine Brüste, und du bist toll und liebenswert wegen der Entscheidungen die du in deinem Leben triffst, denn sie machen dich aus.

Es gibt wunderschöne Frauen mit Narben im Gesicht, mit Glatze oder ohne Brüste. Entspann dich, und das nächste Mal, wenn du in den Spiegel guckst, dann bestell deinem Spiegelbild schöne Grüße von mir.

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