1.1.0 Geschichte des BHs

1.1.1 Lycra und veraltete Größentabellen

Unsere BH-Größenbezeichnungen mit Buchstaben für die Körbchengröße (ursprünglich nur A, B und C) entstanden in den 1930er- Jahren in den USA. Elasthan kam erst 1959 auf den Markt. Die Größentabellen wurden nie angepasst. Heutige BHs sind viel dehnbarer als damals, weshalb die Größentabellen zu weite Unterbrustbänder empfehlen. Für einen wirklich korrekten Sitz müssen die meisten Frauen ihren BH ein bis zwei Größen enger wählen, als die Tabelle vorschlägt.  Dies ist ein BH mit einem 55er- Unterbrustumfang. Schon unter leichtem Zug dehnt er sich auf 62cm.

1.2.0 Missverständnisse

1.2.1 Grundsätzliche Probleme standardisierter Größen

Es gibt über 3,5 Milliarden Frauen auf dieser Welt und jede davon ist einzigartig. BH-Größen gibt es weltweit etwa 250. Viele Frauen kaufen ihre BHs nicht in Wäschegeschäften, sondern in der Wäscheabteilung größerer Bekleidungsketten. Dort gibt es häufig nur 16 Größen, manchmal auch weniger.

Das bedeutet, dass nicht jede Frau einen passenden BH kaufen kann. Insbesondere in Deutschland ist es auf Grund der wenigen verbreiteten Größen ausgesprochen unwahrscheinlich, dass man in einem „normalen“, nicht auf Wäsche spezialisierten Geschäft über eine tatsächlich passende BH-Größe stolpert. Es gibt hier schlichtweg zu wenige Größen für die vorhandene Menge an unterschiedlichen Körpern. Gleichzeitig ist ein unpassender BH jedoch ähnlich wie ein unpassender Schuh: schädlich.

Problematisches Konzept

BH-Größen sind ein problematisches Konzept. Ihnen liegt die Vorstellung zu Grunde, dass Körper sich in Kategorien einteilen, vermessen und einer festen Bezeichnung unterwerfen lassen. Das System wird weder der Vielfalt der Körper gerecht noch der Tatsache, dass Körper sich laufend verändern. Manche Frauen haben zum Beispiel durch die ganz normalen Hormonschwankungen während ihres Zyklus so große Unterschiede in ihrer Brustgröße, dass sie verschiedene BH-Größen benötigen.

Nicht nur die Körper, sondern auch die BHs selbst unterliegen viel größeren Größenschwankungen, als die Bezeichnungen es nahelegen. Die aufgedruckte Größe dient allenfalls als ganz grobe Orientierungshilfe. Es ist sehr schwer, größere Mengen von BHs größengetreu herzustellen. Schon wenn der einzige Unterschied zwischen zwei BHs der verwendete Stoff ist, kann dafür ein anderes Schnittmuster notwendig sein. Sogar die Farbe führt zu Unregelmäßigkeiten. Dunkle BHs fallen häufig enger und kleiner aus als helle.

Normchaos

Noch seltsamer wird es, wenn man sich vor Augen führt, dass es sich bei der EU-BH-Größennorm um Empfehlungen handelt, an die sich die Hersteller halten können, aber nicht müssen. Die 75B des einen Herstellers hat mit der 75B des anderen Herstellers unter Umständen also nicht viel zu tun.

Außerdem sind zwar die Maße in den Größentabellen, aber nicht die Messmethoden zur Größenbestimmung genormt. Nirgendwo wird beispielsweise festgelegt, ob die Messung beim Ein- oder Ausatmen erfolgen soll. Das Ergebnis kann sich dadurch aber ohne weiteres um zwei Größen oder mehr verschieben.  

Zu Guter Letzt ist die Idee, man könne ein Volumen von zwei annähernd halbkugelförmigen Brüsten durch zwei Umfangsmessungen bestimmen, rein mathematisch ziemlicher Blödsinn.

1.2.2 Buchstabe ungleich Körbchengröße

Sehr viele Frauen tragen unpassende BHs. Manche Wäscheverkäuferinnen berichten, während ihrer mehrjährigen Berufserfahrung sei noch keine einzige Kundin mit einem bereits passenden BH in die Beratung gekommen.

Dazu trägt ein generelles Missverständnis über die Größen bei. Weit verbreitet, aber falsch ist nämlich die Annahme, dass der Buchstabe einer BH-Größe für die Größe der Brust stehe. Werden Frauen nach ihrer BH-Größe gefragt, geben sie häufig nur den Buchstaben an, zum Beispiel „Ich trage C-Körbchen“.

Der Buchstabe der BH-Größe sagt jedoch ausschließlich in Kombination mit der Länge des Unterbrustbandes etwas über die Größe der Brust aus. Eine 70C ist eine vollkommen andere Größe als eine 90C, welche ein weiteres Unterbrustband aber auch signifikant größere Körbchen hat.

Historische Gründe

Bei den ersten in Serienfertigung hergestellten BHs gab es nur die Größen A, B und C. Diese Größen wurden natürlich kaum einer Frau gerecht. Nach und nach wuchs die Größenauswahl und ein System zur Bezeichnung musste her. An einer schmalen Frau wirken 750ml Brustvolumen viel größer als an einer kräftigen. Deshalb kam man auf den grandiosen Gedanken, die generelle Statur einer Frau zu berücksichtigen. Damit schuf man ein herrlich verwirrendes Größensystem, welche bis heute Umsätze nur dadurch generiert, dass man speziell geschultes Personal braucht, um die richtige Größe zu finden.

Wie funktioniert das ganze also?

Theoretisch werden zwei Maße benötigt: Der Brust- und der Unterbrustumfang. Mit diesen beiden Maßen kann man dann entweder anhand einer Tabelle oder mit einer Formel die Größe ableiten. In der Praxis funktioniert dieses System aufgrund der zuvor genannten Gründe nicht, bessere Methoden später.  

In den Tabellen kann man erkennen, dass derselbe Buchstabe immer derselben Brust-Unterbrust-Differenz zugeordnet ist. Zieht man von den mittleren Werten der A-Tabellenspalte (83, 88, 93, 98, 103) die jeweiligen Unterbrustumfänge (70, 75, 80, 85, 90) ab, erhält man immer 13. 13cm Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang entsprechen also immer einem A-Körbchen.

Probleme der Messmethode

Dieser Zusammenhang führt häufig zu dem Fehlschluss, dass der Buchstabe auch immer der gleichen Brustgröße zugeordnet wäre. Das ist falsch.

Obwohl die Umfangsmaße identisch sind, hat der rechte Körper eindeutig größere Brüste als der linke. Größere Buchstaben bedeuten zwar größere Differenzen zwischen Brust- und Unterbrustumfang, aber nicht automatisch größere Brüste. A-Körbchen ist also nicht gleich A-Körbchen.

Die linke Spalte der rechten Grafik zeigt, wie das Größensystem Brüste behandelt. Da die Differenz zwischen Brust- und Unterbrustumfang gleichbleibt, entsprechen alle Brüste der linken Spalte einem A-Körbchen.

In der rechten Spalte handelt es sich immer noch um die A-Körbchen von links mit denselben Maßen. In der Realität sind allerdings auf größeren Brustkörben die Brüste meistens auf einer größeren Fläche angewachsen.  Sie haben also viel Volumen, welches durch eine Umfangsmessung nicht erfasst wird.

Kreuzgrößen

Stellen wir uns vor, der Brustkorb einer Frau würde langsam schrumpfen, während ihre Brüste unverändert blieben. Alle fünf Zentimeter bräuchte sie einen BH mit einem eine Nummer kürzeren Band, gleichzeitig würde sich der Buchstabe des Körbchens eine Stelle erhöhen. So würde (bei gleich groß bleibenden Brüsten!) Ihre Größe sich verändern von 90A über 85B, 80D, 75E, 70F, 65G bis vielleicht 60H. Das ist übrigens eine durchaus realistische Größe, die einer schlanken Frau mit mittelgroßen Brüsten passen könnte. Wenn sich ihr Brustkorb sich dann auf magische Weise zurückdehnt, durchläuft sie alles noch einmal in umgekehrter Reihenfolge.

Als Gegenstück zu diesem Beispiel stellen wir uns jetzt einen Luftballon in Form einer Frau vor. Wenn er aufgepustet wird, wachsen Brust und Brustkorb ziemlich gleichmäßig an. Wenn dem Ballon im ersten, relativ luftleeren Stadium 70D gut passt, durchliefe er nun die Größen 75D, 80D, 85D, 90D und so weiter. Das Volumen der Brüste würde (genau wie auch der Rest des Körpers) trotz des gleichbleibenden Buchstabens zunehmen.

Eine 60E hat genau so große Körbchen wie eine 75B. Deshalb ergibt es auch keinen Sinn, nur einen Buchstaben anzugeben.

Wenn 75B und 80A nun also gleich große Körbchen haben und es jetzt keine 75Bs im Geschäft mehr gibt, kann man dann einfach eine 80A nehmen? Nein. Die Länge des Unterbrustbandes ist sehr wichtig für die Passform eines BHs. Es muss unbedingt gut sitzen. Häufig macht ein eine Nummer zu enges oder zu weites Unterbrustband einen BH schon komplett unpassend. Aber es lohnt sich trotzdem ihn anzuprobieren, denn die Größen sind schließlich ausgesprochen inkonsistent.

1.2.3 BH-Träger tragen nichts

Die deutsche Bezeichnung „Träger“ ist irreführend. Das Gewicht der Brust sollte nicht von den Trägern gehoben, sondern vom Unterbrustband von unten gestützt werden. Korrekt angepasst sollte das Unterbrustband 80-90% des Brustgewichtes stützen. Nur deswegen funktionieren trägerlose BHs. Die Träger verhindern im Idealfall lediglich das nach unten Rutschen des BHs und heben die Brust leicht an. Weil das Unterbrustband die Stützfunktion erfüllt, ist es so viel breiter und fester als die Träger. Um seinen Zweck zu erfüllen, muss das Band den Brustkorb sanft, aber fest umschließen, während die Brüste die Körbchen aufspannen.

Eine falsche Körbchengröße kann dazu führen, dass ein unpassendes Unterbrustband nicht erkannt wird. Viele Frauen tragen zu kleine Körbchen in Kombination mit einem zu weiten Unterbrustband. Das zu lange Band fällt dann nicht auf, weil es nicht nur den Brustkorb, sondern auch einen Teil der Brüste umschlingt. Ob ein BH passt, kann man testen, indem man ihn mit auf den Rücken gedrehten Körbchen und ohne Träger anprobiert. In dieser Position darf er nicht am Körper herunterrutschen, sonst ist er zu weit.

1.2.4 Falsches Anziehen

Es gibt einen weiteren Faktor, der zum häufigen Kauf unpassender BHs führt. In den meisten Wäschegeschäften wird nicht gezeigt, wie man einen BH richtig anzieht. Das hat jedoch große Auswirkungen auf die Passform. Viele von uns haben unbewusst Strategien entwickelt, BHs so anzuziehen, dass man Passformprobleme nicht sofort erkennt.

Passformprobleme werden durch korrektes Anziehen sichtbar

Der BH weißt keine offensichtlichen Passformprobleme auf. Das liegt jedoch daran, dass das Brustgewebe unter den Bügel Richtung Rücken hinausgequetscht wird.

Wird der BH richtig angezogen und das Brustgewebe vom Rücken ins Körbchen gestrichen, quillt es plötzlich vorne über den Rand des Körbchens.

Besonders sichtbar wird dies aus der Dreiviertel-Vorderansicht. Bei Bewegung würde die Brust noch weiter aus dem Körbchen rutschen.

1.2.5 Reale vs. wahrgenommene Größenverteilung

Im Wesentlichen sind ausschließlich BH-Größen von 70-80 und A-D in den Medien oder Wäscheabteilungen präsent. Dadurch wird in der Vorstellung von den meisten Menschen bezüglich Brustgrößen folgende Einteilung geschaffen:

  • Flach = AA
  • Kleinstes Viertel aller Brüste = A
  • Eher kleines Viertel aller Brüste = B
  • Eher großes Viertel aller Brüste = C
  • Größtes Viertel aller Brüste = D
  • Anomalie der Natur/ Brustvergrößerung = DD

Das ist jedoch aus verschiedenen Gründen falsch. Erstens sagt ein Buchstabe ohne Bandlänge nichts über die Größe der Brust aus. Zweitens mag diese Einteilung zwar stimmen, wenn man betrachtet, welche Größen gekauft werden (von Frauen, die selbst an diese Einteilung glauben). Allerdings sind sich Brafitterinnen geschäftsübergreifend einig, dass in der Realität kaum eine Frau ohne Beratung passende BHs trägt. Trügen alle Frauen richtig angepasste BHs, läge die Größenverteilung vollkommen anders. DD ist zum Beispiel auf den meisten Unterbrustband-Längen keine große Größe.

1.2.6 Durchschnittliche BH-Größe

Laut „Durchschnittfrau 2014“ des Statistischen Bundesamtes ist die häufigste BH-Größe 80C. Anscheinend wurden hier die Kaufgewohnheiten abgefragt, ohne sicherzugehen, ob die BHs tatsächlich passen. 80C würde einer Frau mit breitem Brustkorb und recht kleinen Brüsten passen, eher nicht die Durchschnittskombination. Eine gute Anlaufstelle für BH-Beratung in Deutschland ist das Online-Forum Busenfreundinnen.net. Dort findet man folgende Aussage einer der Moderatorinnen:

„Bei unseren Beratungen empfehlen wir ein 65er UBB [Unterbrustband] extrem häufig, schätzungsweise bei etwa 30% aller Frauen. Zusammengenommen machen Empfehlungen für 60er, 65er und 70er UBBs fast 70% aller Beratungen aus.

Allerdings ist das nicht die Abbildung der realen Verteilung in der Bevölkerung, weil hier nur die Verzweifelten und die Leidenden mit Internetzugang aufschlagen. Bei enamora.de machen die Bestellungen von 65er UBBs nur etwa 5-10% des gesamten Volumens aus. Das kann zu einem großen Teil an der Unwissenheit der Kunden liegen, ich denke aber dass diese Zahlen tendenziell näher am dt. Durchschnitt sind. Des Weiteren zeigen Erfahrungen brit. Wäscheverkäufer, das die in UK am häufigsten verkauften Größen 32 DD/E/F sind.


Bei vielen Frauen mit kleinen Brüsten ist auch der Leidensdruck nicht groß genug, um gezielt nach 65er UBBs zu suchen. Sie geben sich (auch nach der Beratung hier) mit festen 70ern und 75ern zufrieden.“

Selbstverständlich ist ein BH-Größenberatungsforum ein Sammelpunkt für Frauen, welche aus dem handelsüblichen Sortiment fallen. Da es allerdings Abweichungen in alle vier Richtungen, also zu große/zu kleine Körbchen und zu großes/ zu kleines Unterbrustband geben kann, gleichen sich die Werte bis zu einem gewissen Grad aus.

Hier die Statistik zur getragenen Unterbrustweite nach der Beratung im besagten Forum:

Eine weitere interessante Statistik konnte man einige Zeit lang auf „the bra band project“ finden. Hierbei handelte es sich um eine Sammlung von Bildern von Frauen in perfekt angepassten BHs, sortierbar nach Größen. Bei dieser Statistik war weitestgehend sichergestellt, dass den teilnehmenden Frauen ihre BHs überhaupt passten. Die Größenverteilung sah so aus:

Bei den Größen in der zweiten Grafik handelt es sich um das britische System. Die britische 30 entspricht der deutschen 65, die britische 32 der deutschen 70 usw. Die Körbchengrößen lassen sich nicht akkurat umrechnen, als Faustregel kann man sich jedoch merken, dass bis zum D beide Systeme annähernd übereinstimmen, dass das britische DD dann dem deutschen E entspricht, das britische E dem deutschen F usw. (Dies ist eine grobe Vereinfachung und führt bei höheren Körbchengrößen zu Fehlern. Im Kapitel Internationale Größensysteme wird genauer auf die Unterschiede eingegangen).

75B

Eine besondere Rolle spielt auch die Größe 75B. Durch mysteriöse Umstände hält sich das Gerücht, dies sei eine Größe, die sich für schlanke Frauen mit mittelgroßen Brüsten eigne. Eben die perfekte Größe für eine „Normalfigur“. Tatsächlich passt sie aber Frauen mit breitem Brustkorb und kleinen Brüsten. Diese Figur ist selten. Die meisten vermeintlichen 75B-Frauen bräuchten kürzere Unterbrustbänder und größere Körbchen. Dieser Frau passt 75B.


1.2.7 Welche BH-Größen gibt es? Was ist die größte/kleinste BH-Größe?

In den meisten Geschäften findet man BHs mit Bandlängen zwischen 75 und 90 und Körbchen zwischen A und D. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der verfügbaren Größen. Die folgenden Größenangaben beziehen sich immer auf regulär erhältliche BHs, ohne Sonderanfertigungen.

Das kleinste und das größte Unterbrustband

Tatsächlich gehen die Unterbrustbandlängen bei 50 los (kann man als 24er- Bänder zum Beispiel bei Bosom Galore kaufen) und reichen mindestens bis 135 hoch (bekommt man als 56er Band zum Beispiel bei Ewa Michalak). Die 24 und die 56 sind Bezeichnungen für die Länge des Unterbrustbandes im britischen BH-Größensystem.

Das kleinste und das größte Körbchen

Die kleinsten Körbchen kann man bei dainty lady bekommen, dort gibt es BHs in 28AAAA (60AAAA). Das sind fünf Größen kleiner als eine 70A! Das größte Körbchen ist wohl die 46K (105O) von Jeunique. Das K ist der 15. Buchstabe im britischen BH-Alphabet. Es ist jedoch größer als das deutsche O wäre, da im britischen System ein Zoll statt zwei Zentimetern zwischen den einzelnen Größen liegt.

Es gibt noch eine ganze Menge BHs, die mit höheren Buchstaben bezeichnet sind, weil die Firmen andere Größensysteme verwenden, weil es sich um Maßanfertigungen handelt oder weil der BH ein kürzeres Unterbrustband hat. Wenn zwei BHs gleich große Körbchen, aber unterschiedlich lange Unterbrustbänder haben, hat der BH mit dem kürzeren Band auf Grund der Kreuzgrößen immer den höheren Buchstaben. Es gibt zum Beispiel 38MM (85T)-BHs von Ewa Michalak. Diese sind aber vom Körbchenvolumen her kleiner als die 46K (105O)-Körbchen von Jeunique.

Wer trägt denn solche BH-Größen?

Wer zum ersten Mal von BH-Größen mit 50er-Unterbrustbändern oder O-Körbchen hört, wundert sich wahrscheinlich, für welches Geschäft es sich lohnt, solche extremen Größen zu verkaufen.

Da es sich um die kleinsten und größten BHs handelt, ist es klar, dass die genannten Größen selten sind. Allerdings sind sie längst nicht so verrückt, wie man sie sich beim ersten Hören vielleicht vorstellt. Dadurch dass sehr viele Frauen irrtümlich BHs in 75B und umliegenden Größen tragen, verschätzen wir uns. Die Abstände zwischen den Größen sind wesentlich kleiner als oft angenommen.

Viele normal gebaute, schlanke Frauen sollten eigentlich Unterbrustbänder unter 70 tragen. Bei kurzen Bändern sind dann auf Grund der Kreuzgrößen automatisch auch die Buchstaben sofort hoch. Gerade bei jungen Frauen, deren Brustkorb noch nicht ausgewachsen ist, sind 50er Bänder also nicht abwegig.

Und zu kleine Körbchen gehören zu den häufigsten Passformproblemen überhaupt. So kann es gut sein, dass eine 80D-Trägerin in 65G-BHs besser aufgehoben wäre.

1.2.8 Welche BH-Größe hat eine Frau mit 90-60-90?

 „Welche BH-Größe hat eine Frau mit 90-60-90?“

Diese Frage aus einem Internet-Forum zeigt schon, dass bei der Fragestellerin ein Missverständnis über BH-Größen vorliegt. Die Maße 90-60-90 beschreiben Brust-, Taillen- und Hüftumfang. Eine BH-Größe besteht neben dem Brustumfang jedoch immer auch aus einem zweiten Maß: dem Unterbrustumfang. Ohne diesen lässt sich über die BH-Größe nur sehr eingeschränkt eine Aussage treffen.

Man kann dazu in eine beliebige Größentabelle sehen und all die Felder suchen, in denen eine 90 steht. Als Beispiel sehen wir uns die Tabelle rechts an.

Die 90 finden wir in den Feldern der Größen 36AA, 34B, 32D, 30E und 28FF. Dies sind britische Größen, die ganz grob den deutschen Größen 80AA, 75B, 70D, 65F und 60H entsprechen. Frauen mit diesen Größen hätten alle denselben Brustumfang, jedoch sehr unterschiedliche Brust- und Brustkorbgrößen.

Allen gemein ist nur, dass Brustkorb und Brüste zusammen einen Umfang von 90 Zentimetern ergeben. Das könnte eine Frau mit 80cm Unterbrust- und zehn Zentimeter größerem Brustumfang in einer 80AA sein. Oder eine mit 60cm Unterbrustumfang und 30 cm größerem Brustumfang in einer 60H. In anderen Größentabellen weichen die entsprechenden Größen möglicherweise leicht ab. Der Grundsatz bleibt jedoch auch dann der gleiche. Es gibt jedes Maß mehrfach in den Größentabellen, wenn sie nur weit genug reichen.

Ganz unabhängig von dieser Tatsache kann man nur mit zwei Zahlen sehr schlecht Aussagen darüber treffen, welcher BH einer Frau wirklich passen würde.

Angenommen eine Frau mit einem Brustumfang von 90cm und einem Unterbrustumfang von 70cm probiert einen 70D-BH an. Dieser sollte ihr laut Tabelle passen. Möglicherweise sitzt der BH an ihr nicht gut, weil er weit ausfällt oder sie wegen ihrer Brustkorbform einfach einen engeren BH bräuchte. Aufgrund der Kreuzgrößen würde sie dann vielleicht besser in einen 65E-BH passen.

Über Marilyn Monroes eigene BH-Größe finden sich übrigens widersprüchliche Angaben, verschiedenes von 70D über 75B bis 80C.

1.3.0 Körpernormativität

Das Wissen über richtig passende BHs kann sich kaum ausbreiten. Würde eine Frau auf einen unpassenden BH angesprochen, fühlte sie sich vermutlich persönlich angegriffen, im schlimmsten Fall belästigt. Für sie schwänge auch in einer als Hilfe gemeinten Information die unterschwellige Botschaft mit, sie präsentiere ihre Brüste nicht optimal, was sie als Beleidigung ihres Aussehens verstehen könnte. Außerdem entstünde durch einen derartigen Hinweis immer ein Wissensgefälle, das in seiner Natur unangenehm ist. Eine solche Botschaft enthält einen Angriff auf das Wissen in einem Bereich, in wir an uns selbst einen Expertenanspruch stellen.

Die Brüste sind häufig ein empfindlicher Punkt des Selbstwertes. In Brafittings, professionellen BH-Passformberatungen, hört man immer wieder wie Frauen sich für ihre Brüste entschuldigen oder abwertend über ihren eigenen Körper sprechen. Vermeintliche Kritik an den Brüsten einer Frau ist deshalb so hart, weil überzogene gesellschaftliche Ideale viele von uns verunsichern.

Die weibliche Brust und die Evolution

Der Brust wird in der westlichen Kultur eine immense Bedeutung für die Attraktivität einer Frau eingeräumt. Meistens wird dies mit biologischen Effekten begründet. Zum Beispiel wird gerne angeführt, dass Frauen dauerhaft vergrößerte Brüste haben, während dies bei anderen Primaten nur während der Stillzeit der Fall ist. Auf dieser Basis wird gerne behauptet, durch den aufrechten Gang sei der zuvor wichtige Hintern aus der Augenhöhe der Männer verschwunden und die Brüste hätten sich vergrößert, um den Hintern nachzuahmen. Auch wenn es manchen Männern vielleicht gut ins Weltbild passen würde, wenn sich Brüste extra „für sie“ entwickelt hätten, ist diese Theorie falsch.

In „Patterns of Sexual Behavior“ von Ford und Beach kann man nachlesen, dass von 190 untersuchten Kulturen nur 13 der weiblichen Brust eine sexuelle Bedeutung zuschreiben. In Afrika war es für Frauen zum Beispiel lange Zeit üblich, sich mit unbekleidetem Oberkörper in der Öffentlichkeit zu bewegen. Die Rolle der weiblichen Brust als sexueller Schlüsselreiz ist also gesellschaftlich konstruiert.

Für wen es schwer vorstellbar ist, dass Menschen nur auf Grund von gesellschaftlichen Normen ein Körperteil attraktiv finden, kann sich an das Beispiel der Lotusfüße aus dem alten China erinnern. Kleine Füße galten dort als so erotisch, dass jungen Frauen reihenweise die Füße verstümmelt wurden, um sie heiratsfähig zu machen. Auch das wurde mit angeblichen biologischen Ursachen begründet, wie etwa, dass die unbeholfenen Trippelschritte (auf Grund der Schmerzen) den männlichen Beschützerinstinkt wecke und so die Attraktivität der Frau steigere.

Unterschiedlicher Umgang mit männlicher und weiblicher Nacktheit

Bei der weiblichen Brust handelt es sich um ein Sekundäres Geschlechtsmerkmal, genau wie beim Bart eines Mannes. Dass Frauen ihren Oberkörper in der Öffentlichkeit verdecken müssen und Männer nicht, zeugt davon, dass trotz gleicher Bevölkerungsanteile die weibliche Variante des Sexualdimorphismus als eine Abweichung von der Norm betrachtet wird.

Die künstliche Sexualisierung der weiblichen Brust geht so weit, dass mancherorts stillende Frauen aus Restaurants verwiesen werden, weil die Sichtbarkeit ihrer Brüste als sexuell empfunden wurde. Neben einem grundsätzlich seltsamen, negativen Verhältnis zu Sexualität und Nacktheit schwingen in diesem Wertekonstrukt Gedanken mit, welche Menschen als unkontrollierbar Ihren hormonellen Bedürfnissen unterworfen betrachten. Dasselbe Konstrukt bringt absurde Auswüchse hervor, wie den Versuch, Missbrauchsüberlebenden eine Mitschuld durch „provokante“ Kleidung zuzuschreiben.

Buchstabenphobie

Aus lauter Angst davor, irgendwie unnormal zu sein, vernachlässigen einige von uns ihr Gefühl für die Passform eines BHs mit Gedenken wie: „Dieser BH passt gut. Aber er ist in D und ich habe ja keine großen Brüste, ich kaufe ihn also eine Nummer kleiner (obwohl er dann unbequemer ist)“ oder „Meine Freundin hat größere Brüste als ich und sie trägt C, ich probiere also erst gar nichts über B an“. In diesem Rahmen entsteht ein Phänomen, welches als Buchstabenphobie bezeichnet wird. Beim BH-Kauf orientieren sich die meisten Frauen unbewusst auch an ihrerseits fehlinformierten Frauen und dem spärlichen Größenangebot. Da so wenige Größen unter 70 und über 80 sowie unter A und über D angeboten werden, gehen sie davon aus, diese Größen seien selten.

Die Buchstabenphobie äußert sich also in der Ablehnung, BHs mit hohen Buchstaben anzuprobieren. Das Gegenstück ist die Zahlenphobie mit Gedanken wie „Unterbrustbänder unter 75 sind nur für Kinder!“ für kurze Unterbrustbänder. Buchstaben- und Zahlenphobie verhindern, dass Frauen beim Anprobieren versehentlich auf passende BHs stoßen.

Dass diese Gedanken sachlich falsch sind, wissen viele Frauen einfach nicht. Eine Rolle spielt auch, dass viele Wäschegeschäfte ihrerseits uninformiert sind oder sämtliche Pläne bei dem Gedanken an die Kosten einer drohenden Größenumstellung ihres Sortimentes oder der Einstellung gut geschulten Personals lieber schnell wieder vergessen.

1.3.1 Unpassende BHs in den Medien

Es ist mitunter schwer, unpassende BHs zu erkennen, weil wir ständig von ihnen umgeben sind. Filme, Serien und Werbung zeigen so viele Passformprobleme, dass diese als das normale Aussehen eines angezogenen BHs in die Köpfe der Menschen übergehen.

Oder wem ist aufgefallen, dass Victoria’s Secret und Hunkemöller in ihren Onlineshops regelmäßig Fotos verwenden, bei denen die Models eindeutig zu kleine Körbchen tragen und das überquellende Gewebe einfach mit Photoshop glattgebügelt wurde?

Oder, dass in der Waschkeller-Szene bei „The big bang Theory“ in der man Penny im BH sieht, die Ränder der Körbchen in ihre Brust einschneiden und das Unterbrustband stark in Richtung Nacken rutscht?

Die Eins markiert die Position, an der das Unterbrustband eigentlich sitzen sollte. Das zu kleine Körbchen sitzt durch das zu weite Unterbrustband so locker, dass es bei der Bewegung von der Brust rutscht.
Auf der Höhe der Drei müsste das Unterbrustband sitzen, wenn es korrekt passen würde. Es ist mindestens drei Nummern zu weit.
Das zu weite Unterbrustband sitzt hinten viel höher als vorne. Es ist mehrere Nummern zu weit. Das zu kleine Körbchen scheidet in die Brust ein.

1.4.0 Angebot in Deutschland

1.4.1 vorhandenes Größenangebot mit Ausreden (mangelnde Nachfrage)

Immer mal wieder wird von betroffenen Frauen gefordert, Wäschegeschäfte mögen doch bitte einmal ihr Größensortiment erweitern. Bisher scheinen alle diese Vorstöße im Winde verhallt zu sein. Das hat auch seine Gründe. Es gab bereits Versuche, bei denen größere Wäscheketten probehalber neue Größen in ihr Sortiment aufgenommen haben. Sie wurden jedoch nicht gekauft.  

Die Buchstabenphobie hindert Frauen daran, die neuen BHs auch nur anzuprobieren. Sie bleiben Ladenhüter und der Vertrieb wird wieder eingestellt, mit der Fußnote der Läden sich auf so einen Blödsinn kein weiteres Mal einzulassen.

Das falsche Angebot bildet zusammen mit der falschen Nachfrage einen Teufelskreis, welcher nur mit guter Beratung und Informationen zum Thema BHs durchbrochen werden kann.

1.4.2 Gründe (Kosten, kein Interesse an Information)

Das Interesse der Hersteller, diese Informationen zu liefern, ist jedoch noch begrenzt. Sie befinden sich auch in einer sehr komfortablen Position, denn Frauen, die keine passenden BHs finden, kaufen ja trotzdem welche. Die Wäscheunternehmen profitieren also nicht von guter Beratung, solange es sie auch nirgendwo sonst gibt.

Es handelt sich um eine Art Kartell der gezielten Informationsvorenthaltung. Würden sie gut beraten, müssten sie Größen empfehlen, die sie nicht führen. Kundinnen würden anfangen, ihre BHs zum Beispiel aus England zu beziehen wo die Größenauswahl besser ist. Dies würde langfristig eine teure Umstellung der Produktion nötig machen. Einfach nur „ins Sortiment hinein“ oder gar nicht zu beraten ist wesentlich einfacher. Gleichzeitig handelt niemand in diesem Teufelskreis böswillig. Die Verkäuferinnen sind meistens nicht ausreichend in der BH-Anpassung ausgebildet. Die Geschäftsführung hat die Sicherheit des Unternehmens im Sinn und bietet an, was gut gekauft wird.

Bisher gibt es nur wenige kleine, selbstständige Unternehmen, die sich auf Beratung und gute Größenauswahl spezialisiert haben. Kundinnen, die so einen Laden entdeckt haben, bleiben ihm aber in der Regel treu. Auch schreitet die Information übers Internet immer weiter voran, sodass sich die etablierten Geschäfte hoffentlich langfristig Gedanken um ihre Strategie werden machen müssen.

1.5.0 Risiken durch unpassende BHs

1.5.1 Risiken:

Unpassende BHs sind keine Lappalien, sondern Gesundheitsrisiken. Besonders von Frauen mit großen Brüsten hört man häufig, ihre Oberweite sei an ihren Rückenschmerzen schuld. Das stimmt oft nicht. Viel häufiger ist ein unpassender BH die Ursache. Gesunde Brüste tun erst einmal nicht weh. Zu Schmerzen kann es zum Beispiel durch Hormonveränderungen oder Erschütterung der Brust kommen, wie etwa kurz vor der Menstruation oder beim Gehen. Deshalb sind BHs auch eine sinnvolle Erfindung. Richtig angepasst stützt das Unterbrustband die Brüste von unten, hält sie und vermindert Stöße.

HaltungsschädenFehlverteiltes Brustgewicht führt zu Schon-
haltungen, die zur Gewohnheit werden
HautreizungenZu weites Unterbrustband rutscht und reizt Haut
KopfschmerzenZu weites Unterbrustband verteilt Brustgewicht
auf Träger und klemmt Gewebe im Schulter-
bereich ab
MilchstauZu kleine Körbchen drücken aufs Brustgewebe
und lösen bei stillenden Frauen schmerzhaften
Milchstau aus
Schmerzen in Rück-en, Nacken und SchulternZu weites Unterbrustband führt zur Fehlverteilung des Brustgewichtes auf Schulterbereich und klemmt Gewebe ab
Verformung der
Brust
Durch langfristig getragene zu kleine Körbchen
wandert Brustgewebe unter Arme ab

1.5.2 Bekommt man durch BHs Hängebrüste?

Wahrscheinlich nicht. Es stimmt zwar, dass Muskeln erschlaffen, wenn sie nicht gefordert werden. Die weibliche Brust besteht jedoch nicht aus Muskeln, sondern aus Fett- und Drüsengewebe, welche über dem Brustmuskel liegen. Bei starker Beanspruchung wird dieses Gewebe nicht trainiert, sondern reißt. Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass ein gutsitzender BH die Brust nicht zum Hängen bringt, sondern im Gegenteil Hängen vorbeugt.

Genaue Aussagen sind jedoch schwierig. Viele der Frauen, die ihr Leben lang nur selten BHs getragen haben, haben aufgrund kleiner Brüste auf diese verzichtet. Kleine Brüste hängen aber generell weniger schnell. Und ein Leben lang richtig angepasste BHs tragen nur wenige Frauen. Es ist so gut wie unmöglich, diese verlässlich zu identifizieren. Somit ist ein fairer Vergleich beider Gruppen kaum zu bewerkstelligen.

Eine Studie, die von den Ohne-BH-Befürwortern gerne zitiert wird, ist die des Sportmediziners Jean-Denis Rouillon von der Universität der Franche-Comté.  Er beobachtete, dass viele seiner Studentinnen aus Gründen von Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit beim Sport auf BHs verzichteten. Er begann, die Körper einiger freiwilliger BH-Verzichterinnen zu vermessen und die Veränderung mit der Zeit zu dokumentieren.  Tatsächlich hoben sich ihre Brüste im Durchschnitt mit der Zeit um einige Millimeter an. Allerdings ist die Methodik dieser Untersuchung recht dubios. Denn dass die Körper von Sport-Studentinnen sich im Laufe des Studiums sich mit voranschreitendem Training straffen, ist ja nicht überraschend. Ob diese Veränderung also am Verzicht auf BHs liegt, ist also fraglich.

2 Thoughts to “1.0.0 Warum tragen Frauen unpassende BHs?”

  1. Es war ja schon mal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, als 2007 der erste BH in Körbchengröße K (UK) auf den Markt kam. Und nachdem gleich im ersten Monat über 10.000 Stück verkauft wurden, hat man gleich mit Cup KK nachgelegt. Heute ist man in der britischen Skala immerhin bei Cup L angekommen, was aber bei Weitem nicht ausreicht.

    Ich kann es nicht verstehen, warum sich selbst britische Hersteller mit größeren Cups noch immer so zurückhalten. Natürlich ist es richtig, daß viele Frauen Angst vor großen Buchstaben haben und so die größeren Cups in den Regalen liegen bleiben, bzw. online nicht bestellt werden. Aber für die Kundinnen, die sich in einem Fachgeschäft beraten lassen, gilt das ja nicht. Im Gegenteil. Die sind froh, wenn sie (endlich) mit einem passenden BH den Laden verlassen, ganz egal welcher Buchstabe auf dem Etikett steht.

    Aber was niemand herstellt, kann man nicht verkaufen. Denn wenn das Größenlimit der Hersteller erreicht ist, nützt auch eine Beratung nicht viel, wenn die Kundin einen größeren Cup benötigt. Man hat zwar dann noch einen gewissen Spielraum, bei Kreuzgrößen das Unterbrustband zu kürzen, aber auch das hat Grenzen und ist keine wirklich optimale Lösung.

    Einen Schlag ins Gesicht finde ich es dann, wenn unter diesen gegebenen Umständen ein junges Unternehmen wie SugarShape damit wirbt, endlich passende BHs für jede Frau anzubieten, dann aber mit nur 60 Größen aufwartet und bei Cup G aufhört, obwohl man schon vor 20 Jahren BHs bis Cup J bekommen hat – sogar in Deutschland.

    Aber die Probleme fangen ja schon bei normaler Kleidung an. Denn da, wo man z.B. in Großbritannien oder den USA für verschiedenste Figurtypen und die kurvigsten Proportionen unterschiedliche Größenlinien hat, darf man in Deutschland zwar von super dünn bis super dick sein – aber wehe man hat irgendwo Kurven, die in keiner DIN-Norm stehen.

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich sehe es auch so, dass das das Größenangebot nach wie vor zu klein ist. Gleichzeitig verstehe ich das Dilemma der BH-Passformstudios. Gerade in Deutschland handelt es sich ja häufig um ganz kleine, unabhängige Läden die sich vor allem über immer wiederkehrende Stammkundinen finanzieren. Gerade weil Neugründungen im BH-Beratungsbereich so wahnsinning kapitalintensiv sind, ist es für diese natürlich ein großes Problem, wenn teure BHs in relativ seltenen Größen im Regal bleiben.

      Deswegen habe ich auch Verständnis für z.B. Sugarshape, wobei ich darauf hoffe, dass sie ihr Versprechen, ihren Größenbereich nach und nach auszuweiten, halten. Vielleicht könnten ja Modelle funktionieren, bei denen Passformstudios sich ausschließlich auf ein breites Angebot bei Größe und Passform der BHs konzentrieren und dafür Abstriche bei z. B. der Farbauswahl machen.

      Ich glaube, das Kleidungsproblem kennen hier auch viele gut. Den Tabellen nach bräuchte ich für meine Brüste Größe 34, meine Taille 32 und meine Hüften 36, ich nähe grundsätzlich alle meine Oberteile ab. Vielleicht ist es in Abetracht des Brexits Zeit, letzte Sammelbestellungen bei Pepperberry& CO. aufzugeben. Da gibt es in Deutschland auf jeden Fall Aufhohlbedarf und jede Menge Potential für mutige Gründerinnen!

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