Der BH-Blog

Wie große Wäschefirmen wissentlich die Gesundheit ihrer Kundinnen ruinieren

Wenn ich erzähle, dass ich über BHs blogge, höre ich häufig die Frage, warum das Thema überhaupt wichtig sei. Dabei wird schnell klar dass viele in der Problematik „unpassender BH“ vor allem ein kosmetisches Problem sehen. Das es eben nicht so ist, habe ich am eigenen Körper erfahren.

Viele Menschen bringen sehr wenig Verständnis für Probleme mit BHs auf, ganz nach dem Motto: „Dann trag halt keinen“. Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass manche Frauen BHs nicht etwa tragen, weil sie so hübsch sind, sondern weil sie die Stütze im Alltag brauchen.

Das ist keine Frage der Brustgröße. Brüste sind empfindlich, und Erschütterungen wie Rennen, Treppen steigen oder sogar normales Gehen kann schmerzhaft sein. Natürlich längst nicht für jede Frau, und wer ohne BH glücklich ist, macht alles richtig.
Das manche Frauen sich gegen BHs entscheiden kann aber kein Grund sein, all denen, die sich die Stütze wünschen weißzumachen, ihre Probleme seien nicht relevant.

Hast du schon einmal im Geschäft Schuhe anprobiert die absolut furchtbar saßen? Bestimmt. Aber hat dir daraufhin schon einmal der Schuhverkäufer nahegelegt dich „mal nicht so anzustellen“ oder deine Begleitung „doch einfach barfuß zu gehen“?

Findest du absurd? Ich auch.

Warum sind dann aber solche Aussagen beim BH-Kauf, einem noch sensibleren Bereich, nicht ungewöhnlich?

Jetzt stell dir mal vor, in unseren eben genannten Schuhladen kommt eine junge Frau, die dem Verkäufer erzählt, sie werde seit Jahren von schlimmen Fußschmerzen geplagt. Der Verkäufer misst die Füße der Kundin aus und stellt fest, dass sie Schuhe in der Größe 40 bräuchte und jahrelang in zu kleinen Schuhen herumgelaufen ist.
Leider führt unser Schuhgeschäft aber nur die Größen 37 und 38. Das kann es sich leisten, weil alle anderen Schuhgeschäfte bis auf wenige, unbekannte Ausnahmen auch nur diese zwei Größen führen.

Was tut der Schuhverkäufer nun? Er könnte die Kundin an einen Laden mit besserer Auswahl weiterleiten. Da er aber nicht gut ausgebildet ist, weiß er gar nicht das noch andere Größen produziert werden als die zwei in seinem Laden. Außerdem muss er verkaufen, also bringt er der Frau Schuhe in 37, der Größe die den Füßen der Frau am nächsten kommt.

Die Frau weiß nicht wie sich passende Schuhe anfühlen, da sie noch nirgendwo welche anprobieren konnte. Sie sagt dem Verkäufer also, dass die Schuhe „irgendwie unbequem“ seien. Dieser beteuert ihr jedoch, dass die Schuhe wunderbar säßen und sie vielleicht einfach etwas überempfindlich sei. Die Frau fühlt sich unter Druck gesetzt und kauft die schrecklich unbequemen Schuhe. Sie kommt zu dem Schluss ihre Füße seien einfach seltsam und sie müsse sich an die Schmerzen gewöhnen. Barfuß laufen geht halt auch nur im Sommer.

Nachdem die Kundin den Laden verlassen hat, bekommt der Schuhverkäufer einen Anruf. Eine ältere Dame hat in einem kleinen, unbekannten Schuhgeschäft im Ausland Schuhe in Größe 39 probiert, diese hätten ihr wunderbar gepasst. Warum das Schuhgeschäft denn nur die Größen 37 und 38 führe.
Der Verkäufer erklärt ihr nun ausführlich, dass die Produktion von vielen verschiedenen Größen absolut fürchterlich horrend teuer sei. Außerdem habe in seiner ganzen Karriere noch nie jemand nach Schuhen größer als 38 gefragt.

Dieses Beispiel verdeutlicht in welchem Zustand sich der Wäschehandel befindet.

Auch weltweit sieht es kaum besser aus, lediglich England und Polen bilden einsame Ausnahmen.

Das jedes Jahr tausende Frauen mit hartnäckigen Rücken- und Kopfschmerzen bei Victoria´s Secret, Hunkemöller und anderen Einrichtungen die sich „Wäschefachgeschäfte“ schimpfen, teilweise wissentlich in unpassende BHs hineinberaten werden, grenzt für mich an Körperverletzung.

Zu weite Unterbrustbänder bei BHs führen dazu, dass das Gewicht der Brüste unnatürlich auf die Träger umverteilt wird. Diese graben sich in den empfindlichen Schulterbereich und richten allerhand Schaden an. Es gibt Daten die nahelegen, dass die Unterbrustbanlänge, die den meisten deutschen Frauen eigentlich empfohlen werden sollte, im Bereich 65 bis 70 liegt. Größen also, die man hier im Prinzip kaum kaufen kann.

Es gibt über 250 verschiedene BH-Größen, im deutschen Einzelhandel bekommt man vielerorts 16. Ich bin nach jahrelanger Physiotherapie meine Rückenschmerzen durch BHs in der Größe 55H losgeworden, welche ich aus Polen bestelle. Die Größe klingt unglaublich? Das haben die Freundinnen der älteren Dame zu ihren neuen Fancy- 39er Schuhen sicher auch gesagt.

Ich bin für Wäschegeschäfte mit besserer Auswahl. Ich bin für Verkäuferinnen mit besserer Ausbildung. Ich bin für Aufklärung darüber, wie BHs richtig sitzen, und wie man solche BHs findet.

Wenn du auch dafür bist, finde deinen perfekten BH, damit du in den Geschäften nach deiner Größe fragen kannst. Wenn du gut findest was ich mache, verhilf mir zu mehr Reichweite indem du Braradise oder deine Lieblingsartikel kommentierst und teilst. Danke 🙂

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

Antworten

*

© 2017 braradise.de

Thema von Anders Norén